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Klassik CDs, LPs, Musiker

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  post #1  
Alt 03.08.2007, 17:02
Titian Titian ist offline
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Interessante Interpretationen von "Bilder einer Ausstellung"

Die Orchester-Version von "Bilder einer Ausstellung" (Modest Mussorgsky) ist eine sehr bekannte Komposition, die in keine Sammlung fehlen dürfte.

Hier ist eine Liste von interessanten Interpretationen der 'Bilder einer Ausstellung' orchestriert von Maurice Ravel.
Vladimir Ashkenazy hat auch eine Version orchestriert, die sehr interessant ist. Ich habe die CD verloren aber ich werde sie irgend wann wieder kaufen und hier nachträglich meine Eindrücke schreiben. Zuerst werde ich diese Version mehrmals Live in der Tonhalle erleben. Ich freue mich darauf.

Ich werde in diesem Beitrag meine persönliche Höreindrücke von den Interpretationen in meinem Besitz ohne eine detaillierte Einstudierung des Werkes beschrieben. Der Inhalt dieses Berichtes ist deshalb auf keinem Fall als absolutistisch zu nehmen.

Chicago Symphony Orchestra, Dirigent: Georg Solti (LP, digitale Aufnahme 1980, Decca, Solti Edition Vol. 8)
Solti bietet eine sehr kraftvolle dynamische Version von diesem Werk und behält ununterbrochen einen schönen Fluss vom Anfang bis Ende.
Obwohl die Besetzung der Bläser sehr ausgedehnt ist, ist das Klangverhältnis ausgewogen. Die Einsätze der Streicher sind oft kraftvoll. Die Wirkung kann ab und zu auch ein ganz bisschen das Gefühl von Schwerfälligkeit geben.
In jedes Stück (10 Stücke verbunden mit der Promenade) hat man eine große Dynamik (Pegel).

Bei der zweiten Promenade spielen die Instrumente mit Vibrato und führen den Hörer im Stück Das alte Schloss ein, welches "mit Espressione" und schöne Dynamik (Crescendi / Diminuendi) gespielt wird.
Die nächste Promenade ist kräftig und eindrücklich gespielt.
Die Tuilerien wird mit 122 Schlägen pro Minute gespielt und die Einsätze der Instrumente sind leicht, spielerisch aber trotzdem dynamisch.
Der Bydlo wird mit festem Marschtempo (100) und mit einem schönen Crescendo gespielt.
Das Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen wird relativ langsamer gespielt (162) aber trotzdem sehr leicht, spritzig und mit schöner Ansätze der Instrumenten.
Der Marktplatz in Limoge wird schnell (ungefähr 220) gespielt. Auch hier ist relativ viel Dynamik (Pegel) vorhanden, welche zum Teil ein bisschen auf Kosten der Leichtigkeit geht.
In der Catacombae erlebt der Hörer zuerst einen sehr schönen Klang der Bläser. Mir gefallen sehr die Crescendos und Diminuendi der Bläser. Auch später die Einsätze (inklusiv Lautstärke) der Streicher Harfe und Flöte gefallen mir gehr gut.
Dann das abrupte Aufwachen mit Die Hütte der Baba-Yaga: Ein ganz dynamisches explosives Stück mit einem kurzen ruhigen Teil. Sehr schön finde ich es als Einführung im Das große Tor von Kiev.
Obwohl Solti mit einem relativen hohen Tempo das Schlussstück spielt, kann man sich nicht von fehlender Dynamik beklagen oder meinen, die Stimmung sei nicht genug prächtig, festlich (ernst).

Diese digitale Aufnahme auf LP ist meiner Ansicht sehr gut: Die Bühne ist groß, die Instrumente kann man gut erorten aber trotzdem ein einheitlicher Orchesterklang ist vorhanden, große Dynamik (bei mir 36 – 94 dB).



Berliner Philarmoniker, Dirigent: Herbert von Karajan (LP, DGG, 139010)
Wer sich erwartet, dass Karajan durch diese Partitur rasen wird, täuscht sich gewaltig.
Die Tempi sind fast überall die langsamsten, die ich gehört habe (über 10 Versionen).
Also dann langweilig? Sehr oft höre dieses Adjektiv in Foren und ich finde, es ist auch eine Sache von der eigenen Einstellung.
Karajan lässt die Töne lang klingen, als ob er diese super Klänge für ewig hören will. Nimm deine Zeit, tief einatmen, entspannen und lässt dich deine Emotionen von diesen Klänge berühren.
Trotz der langsamen Tempi habe ich nie das Gefühl von Schwerfälligkeit. Die Instrumente können sehr fein und mit sehr schönen Pianissimi spielen. Gute Beispiel ist im Der alte Schloss wo alle Instrumente diese Pianissimi spielen, fast gedämpft. Auch die verschiedenen Passagen der Solisten (Flöte, Klarinette, Violine, Sax..) sind gedämpft obwohl sie lauter als das Orchester spielen. Es entsteht einen ganz ruhigen fließenden Charakter von der ganz kleinen Crescendi und Diminuendi.
Die Einsätze der einzelnen Instrumente sind "weicher" und nicht so dynamisch im Pegel.
Die Abwechslung ist aber trotzdem garantiert. Die Promenade vor dem Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen ist sehr langsam, der Ballett dafür schneller als bei Solti. Die Trompete im Samuel Goldenberg ganz fein und leicht.
Die Attacken der Bläser in Catacombae sind weicher. Es geht nicht um Angreifen, Dynamik machen, jemand aufwachen sondern vielleicht um Klänge der Bläser im Saal zu verstreuen und beschauen.

Meine analog Aufnahme ist sehr gut, leider meine Platte macht Hintergrundgeräusche. Die Bühne ist sehr schön. Die Dynamik ist kleiner (36-89). ich weiß nicht, ob das mit der Aufnahmetechnik zu tun hat oder vom Dirigent.
Das Gleiche gilt auch von der Tatsache, dass die einzelne Instrumente nicht so deutlich vom Orchester hervorheben.




Chicago Symphony Orchestra, Dirigent: Fritz Reiner (LP analog 1958, RCA, Reissue 180 g LSC-2201)
Diese ist eine wuchtige, keine romantisch-emotionale Interpretation von "Bilder eine Ausstellung". Es wird ganz präzis, was in der Partitur steht, auf sehr hohem Niveau gespielt und alles praktisch ohne Vibrato.
Schon mit der Eröffnungspromenade merkt man den "trockenen" Charakter der Interpretation. Die Promenade wird sehr betont, fast abgehackt und fast schwerfällig gespielt. Die Einsätze sind ganz präzis und wiederholen sich fast identisch. Der Gnom wird am Anfang wuchtig gespielt. Starke Einsätze der Instrumente (kein pianissimo oder piano). Rhythmisch sehr präzis und mit große Betonung. Die zweite Promenade mit den Sololisten Horn, Oboe, Flöte, Fagott, und so fort, spielen die Noten rhythmisch präzis, gleichmäßig wie eine Metronome aber mit relativer Leichtigkeit. Da kommen die Klang-Charaktere der Instrumente sehr im Vordergrund.
Das alte Schloss wird ohne romantische Stimmung gespielt.
Die nächste Promenade ist wieder betont und langsam mit einem schönen Crescendo.
Das Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen wird viel schneller als die anderen Interpretationen gespielt. Das Stück wirkt im Vergleich zu anderen Interpretationen nicht so leicht aber sehr spritzig.
Samuel Goldenberg beginnt mit kraftvoller spielenden Streicher und geht mit der gleichmäßig spielenden Trompete weiter.
Abruptes Wechsel mit dem Marktplatz in Limoge: hier ist das Tempo unheimlich schnell (> 120). Dann wieder ein Wechsel in der Catacombae. Das Tempo ist höher als bei die vorherigen Interpretationen und der Klang der Bläser ist nicht so voll. Schöne Abwechselung der Attacken: manchmal weich oder hart. Auch hier wird auf Pianissimi verzichtet. Das Con Mortuis wird leicht betont gespielt.
Dann kommt ein sehr wuchtiger dynamischer (Pegel) aber eher leicht langsamer Anfang des Die Hütte der Baba Yaga.
Das Werk endet im ähnlichen Stil wie am Anfang: Wuchtig betont präzis.

Bei dieser Interpretation im Vergleich zu anderen haben die Streicher einiges mehr Körperschaft, Volumen während die Bläser (Hörner vor allem) dünner sind. Es wird auch an der Akustik und Aufnahme-Technik liegen. Vielleicht die Version auf der CD hat eine andere Klangbalance.
Der Chicago Symphony Orchester wirkt mit Reiner viel kraftvoller als bei anderen Orchestern.
Der Pegel war bei mir zwischen 36 - 90 db.

Ich bin froh, dass ich alle diese drei Interpretationen habe.
Meine Eindrücke über weitere Interpretationen werden mit der Zeit folgen...

Philarmonia Orchestra, Dirigent: Lorin Maazel (LP analog 1963, EMI, SXLP 30233)
Diese ist eine Interpretation des jungen Lorin Maazel , als er 33 jährig war.
Dieses Werk wird sehr fließend gespielt zum großen Teil leicht schneller als die vorherigen Interpretationen. Maazel verzichtet auf große schwere sehr auffällige Betonungen und auch auf den kräftigen Crescendi. Die Sprünge im Pegel sind aber vollständig da.
Schon in der ersten Promenade und Gnom merkt man diese Charakteristiken.
Das Fagott und dann der Sax spielen "mit espressione", fein und immer fließend. Die Crescendi sind fein aber schnell (kurze Dauer).
Die nachfolgende Promenade ist lauter und deutlich akzentuierter. Die Tuilerien wird leicht betont und sehr fließend gespielt. Bei den Crescendi werden die Akzente stärker.
Bei dem Bydlo ist wieder eine Steigerung der Betonung zu hören. Zusätzlich finde ich schön wie ab und zu werden leichte "Verzögerungen" (Ritardando) verwendet.
Das Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen wird mit großem Tempo genommen (190). Es wird leicht spritzig leicht akzentuiert und mit viele Details gespielt.
Noch schneller ist der Marktplatz in Limoge.
In der Catacombae wird das Tempo zurückgenommen ohne den Fluss zu verlieren.
In Die Hütte der Baba Yaga wird das Tempo erhöht. Da spielt das Orchester deutlich mehr druckvoll und betont und vorbereitet das Finale mit dem Das große Tor von Kiev. Das Stück endet mit ein langsameres Tempo als der großen teil der anderen Stücke. Das gibt den Eindruck von mehr Druck, mehr Explosivität, mehr Kraft.
Auch diese Aufnahme ist sehr gut gemacht. Obwohl diese Platte über 40 Jahre auf dem Buckel hat, höre ich es immer wieder gern. Die Dynamik ist nicht weniger im vergleich zu den anderen Aufnahmen. Die Mikrofone scheinen mir ein bisschen weiter weg von den Instrumenten.

The Philadelphia Orchestra, Dirigent: Eugene Ormandy (LP analog, CBS, M 30448)
Das ist eine Interpretation die mehr in Richtung Virtuosität geht: sehr schnelle Tempi mit zum Teil kleine Abweichungen. Trotzdem werden alle klanglichen Farben von diesem Werk gezeigt.
Ich finde, es gibt auch sehr viele Abwechselung der Charaktere. Ab und zu kräftig, explosiv, dynamisch anders mal fein, spritzig, ausdrucksvoll.
Es gibt viel "Licht und schatten" man wird nicht langweilig. Immer wieder sorgen Crescendi, Diminuendi und Tempi-Wechsel für interessante und überraschende Effekte. Diese ist eine spektakuläre emotionale Interpretation, die hohe technische Können verlangt, und nicht für jeden geeignet.

Eigentlich von der Bühne-Größe her und wie man die verschiedenen Instrumente (Gruppe) zu hören sind, ist diese Aufnahme sehr gut. Auch die Dynamik ist gut (35-92). Leider bei mir ist der Klang grell. Die Hoch-Frequenzen sind überwiegend. Ich muss schauen, ob es bessere Versionen von dieser Aufnahme gibt, weil es fast weh tut, bei dieser Lautstärke zu hören.


The Los Angeles Philarmonic Orchestra, Dirigent: Zubin Mehta (LP analog 1967, Decca, 6.41666)
Die Merkmale dieser Interpretation von Mehta sind nach meiner Empfindung das hohe Tempo, die relativ weiche Einsätze der Instrumente, wenige kraftvolle, stark betonte, schwerfällige oder pompöse Passagen. Mehta überrascht immer wieder für die außergewöhnliche Akzente vor allem in den ruhigen Stücken.

Die erste Promenade ist wenig betont und mit ziemlich schnellem Tempo gespielt (102). Die Einsätze sind kurz als ob, er mit Entschlossenheit relativ eile hat, zum ersten Bild zu kommen. Die Betonung ist nicht regelmäßig sondern ändert sich ziemlich viel. Allgemein sie ist aber weniger Ausgeprägt als die anderen Interpretationen.
Der Gnom ist kontrastreich: ab und zu aggressiv (Kontrabässe und Cellos) ab und zu leicht, fein oder ganz normal. Die Betonung wird immer stärker. Auch in diesem Stück sind die Einsätze kurz.
Die nachfolgende Promenade ist eher ruhig mit relativ feinen Einsätzen der Solo Instrumenten oder Streicher. Das führt im Das alte Schloss , welches relativ langsam gespielt wird. Das Fagott und Sax spielen sehr weich, zuerst piano danach forte. Interessant ist das Verhältnis schwungvoll und betont bzw. akzentuiert. Sehr schöne Mikrodynamik mit leichte feine Crescendi und Diminuendi oder mit Abwechslung zwischen ausdrucksvoll, fast melancholisch und betont bzw. Entschlossen.

Die nachfolgende Promenade ist wieder anders: schneller, betont und mit kurze Einsätze.
Nach eine leichte Tuilerien kommt der schwerfälligere betonte entschlossene Bydlo.
Nach dem leichten feinen Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen kommt Samuel Goldenberg , der kräftig anfängt. Die Trompete solo ist eher relativ fein im Kontrast von den kräftigen Kontrabässe und Cellos.
Der Marktplatz in Limoge ist eher stressig und mit viel Hektik.
Sehr schön die vielen Akzente in diesem lebendigen Markplatz.
In der Catacombae wird das Tempo zurückgenommen. In diesem langsamen am Ende ruhigen Stück zeigt Mehta sein Können mit der (mikro)Dynamik: zuerst große Pegel-Unterschiede dann sehr feine fast unspurbare Pegelunterschiede. Auch hier wird Abwechslung geboten: entschlossen, feine, ausdrucksvolle und leicht melancholische Stimmungen werden geboten.
Die Die Hütte der Baba Yaga ist explosiv, akzentuiert fast, abgehackt. Das Das große Tor von Kiev wird schnell gespielt (120). Die Einsätze sind weicher und kürzer als bei anderen Interpretationen. Das Finale ist aber nicht weniger beeindruckend als die Anderen.

Diese Aufnahme hat mich nicht so viel begeistert als die Anderen. Ich kann es nicht beurteilen, ob das Problem eventuell bei der Pressung oder Vinyl-Qualität oder Abnützung liegt. Ich finde, die Instrumente "kleben" leicht aufeinander und im Allgemein fehlt mir die nötige Transparenz.
Dazu habe ich das Gefühl, dass die Schlagzeuge zu näh aufgenommen wurden oder wurden mehr hervorgehoben als die anderen (vor allem Solo) Instrumenten.

Geändert von Titian (03.08.2007 um 17:14 Uhr).
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  post #2  
Alt 03.08.2007, 17:22
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Hi Titian,

schön, dass Mussorgsky ausgerechnet Dein erster Beitrag hier ist.
Bilder einer Ausstellung war (ausgelöst durch die Version Emerson,Lake&Palmer Mitte/Ende der 70er) mein Zugang zur Klassik.
Nach Erwerb eines CDP in 1983 musste also eine Orchesterversion her, scheinbar hatte ich Unwissender Glück, ich besitze seitdem die von Dir geschilderte Version von Solti, allerdings eben auf CD.

Da mir diese Aufnahme seit jeher gut gefällt, bestand nie der Bedarf nach weiteren Orchesterfassungen.

Allerdings habe ich eben die ELP-Rock-Version auf CD sowie

die Klavierfassung von Alfred Brendel (1985)

eine Orgelfassung von Oskar Gottlieb Blarr (1978) die ihren ganz eigenen Reiz hat.

Ich bin leider nicht so der Rezensent und von Klassik hab ich eh keinen Dunst (wenn ich Titians Ausführungen les werd ich grad neidisch), aber mitteilen wollt ich es Euch trotzdem:D

Grüssle Leo
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  post #3  
Alt 03.08.2007, 17:27
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Hallo Titian,
schöne Ausführungen.
Ich kenne leider nur die Version von den Philharmonia Orchestra unter Vladimir Ashkenazy. Die bietet eine Piano Version und eine Orchestral Version.



http://www.jpc.de/jpcng/classic/deta...me/rsk/hitlist

Gruss

Torsten

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  post #4  
Alt 03.08.2007, 17:44
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Hallo Titian,

Klasse Beitrag, mehr davon !

Ich muß nur mal bei einen Kenner in die Leere äh ... Lehre gehen, dann verstehe ich vielleicht auch mal die Abteilung "Klassik" .

Und, wohl bis jetzt eher Zufall, steht eine Version von Lorin Maazel / Cleveland Orchester im Plattenregal :eek:

Auch die von uns Leo angesprochene Version von Emerson,Lake & Palmer ist da...

Gruß Rainer

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  post #5  
Alt 04.08.2007, 00:53
Titian Titian ist offline
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Wiener Philarmoniker, Dirigent: Valery Gergiev (CD, digitale Aufnahme 200, Philips)
Das ist die einzige Live-Version, die ich habe. Diese Aufnahme ist vom Konzert im Grosser Saal, Musikverein in Wien am 28-30 April 2000.
Gergiev bietet eine kraftvolle dynamische und zum Teil wuchtige Version durchgehend mit schnellen Tempi. Die Interpretation ist sehr ausgewogen und nie wird man von Tempi-Wechsel oder extreme Pegelunterschiede überrascht. In den Tutti ist die Balance zwischen Streicher und Bläser gleichmässig.
Die Einsätze der Instrumentengruppen klingen relativ weich in den Augenblicke wenn sie aggressiv bzw forciert sind.
Mit den höhen Tempi vermeidet Gergiev das Gefühl von Schwerfälligkeit, die man beim Hören bekommen kann.
Die Interpretation lebt von der Dynamik (Crescendi bzw Diminuendi) und leichte Tempi-Wechsel. Symptomatisch ist der Bydlo, wo mit den Crescendi wird das Tempo erhöht und bei den Diminuendi das Tempo wird drösselt dafür wird das Marchcharakter weniger betont.

Auffällig bei der Dynamik sind die Pianissimi (leise Teile), die sehr extrem sind. Bei den Fortissimi (laute Teile) findet Gergiev irgendwie immer die Möglichkeit mehr draufzusetzen. In dieser Komposition behält er die allerstärksten Fortissimi bis Das große Tor von Kiev. Hier ist die Lautstärke noch höher als jemals zuvor und das Stück wirkt Wuchtig und grossmässig.

Diese digitale Live-Aufnahme finde ich sehr gut. Der Klang des Orchesters ist sehr kompakt (einheitlich), da die Bühne im grosser Saal relativ schmal und nicht so gross ist. Trotzdem hört man die Positionen der einzelnen Instrumentengruppen inklusiv die Schlaginstrumente sehr gut. Mir gefiel speziell den vollen Klang der Bläser im Catacombae mit den verschiedenen Wechsel der Lautstärke.

Bei mir war die Dynamik ( 31 – 95 dB).
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  post #6  
Alt 24.08.2007, 22:06
Holger Kaletha Holger Kaletha ist offline
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Hallo Tizian,

Ashkenazys eigene Orchesterversion ist gewiß >russischer< als die natürlich von der Orchestrierung her perfekte von Ravel. Er hat dort auch einige Fehler beseitigt, die sich bei Ravel eingeschlichen haben. (Darüber berichtet Ashkenazy im Film!) Sehr schön symphonisch empfunden bei ihm das >Tor von Kiew< gefällt mir sehr, diese Aufnahme!

Ansonsten habe ich die Aufnahmen Karajan, Fritz Reiner und Celebidache (mit den Münchener Philh.) Karajan bemüht sich um Perfektion, aber die Promenade zu Beginn ist schlicht tödlich langweilig! Wirklich aufregend, wie ungemein differenziert da Celibidache phrasiert. Mein Pianistenfreund (und ehemaliger Lehrer) F.-J. sagte mir neulich: Die Pianisten sollten sich an Celibidaches Gestaltung der Promenade alle ein Beispiel nehmen! Die Klavierversionen zu besprechen wäre ein eigenes Thema! Meine Empfehlung ist der Sofia-Konzertmitschnitt von Svjatoslav Richter von 1950 (Philips) - für mich die fesselndste und spannendste Version von allen (auch im Vergleich mit anderen Richter-Aufnahmen, die ich besitze!) Dieser Abend war einfach eine Sternstunde (u.a. mit einer schier unglaublich gespielten Feux-Folet-Etüde von Liszt!)!

Gruß Holger
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  post #7  
Alt 24.08.2007, 22:28
Titian Titian ist offline
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Ashkenazys eigene Orchesterversion werde ich dieses Jahr mindestens drei Mal Live hören. Ich hoffe dazu bei der Proben dabei zu sein.
Ich hatte ein mal die CD-Aufnahme davon aber sie ist verschwunden.

Gruss

Titian
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  post #8  
Alt 24.08.2007, 23:11
Holger Kaletha Holger Kaletha ist offline
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Da wäre ich auch gerne dabei! Kommt Ashkenazy mit seinem japanischen Orchester? Wohnt er übrigens noch in Lugano?

Die CD von ihm mit den Bildern (Klavier u. eigene Orchesterversion, Decca) gibt es im Moment für 10 Euro günstig zu haben (z.B. www.jpc.de)!

Beste Nachtgrüße
Holger
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  post #9  
Alt 25.08.2007, 07:51
Titian Titian ist offline
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Nein, er dirigiert das Tonhalle Orchester.
Ich glaubte es war noch dieses Jahr aber eigentlich ist er hier vom 23. bis 27.4.2008.
3 Abendkonzerte, 1 Mittagskonzert und am Sonntag zwei Familienkonzerte.
Ich habe vor bei allen dabei zu sein (nur ein Mal am Sonntag mit einem Kind).
An den Abendkonzerte ist auch der Pianist Lukáš Vondrácek dabei (4. Klavierkonzert von Rachmaninow. Kennst du ihn?

Gruss

titian
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  post #10  
Alt 25.08.2007, 22:26
Holger Kaletha Holger Kaletha ist offline
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Hallo Titian,

den Pianisten kenne ich nicht - den Namen habe ich aber schon mal gehört. Hört sich tschechisch an und ich vermute, daß ihn Ashkenazy in Prag kennengelernt hat in der Zeit, als er Chef der Tschechischen Philharmonie war! Sonst der bekannteste tschechische Pianist (er war Lieblingsschüler von Benedetti Michelangeli!) ist Ivan Moravec, von dem ich einige wirklich sehr poetische und klangschöne Aufnahmen habe!

Wenn Ashkenazy das Tonhalle-Orchester dirigiert, vermute ich, daß er immer noch seinen Wohnsitz in Lugano hat!

Beste Grüße
Holger
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